Wann sich Social Media für ein KMU rechnet
Die kurze Antwort: wenn Sichtbarkeit vor der Suche zählt. Ein Coiffeur, eine Schreinerei mit schönen Referenzen, ein Restaurant: solche Betriebe zeigen im Feed, was sie können, bevor jemand danach googelt.
Auch erklärungsbedürftige Dienstleistungen profitieren. Wer Treuhand, IT oder Beratung verkauft, baut mit regelmässigen Beiträgen Vertrauen auf, lange bevor ein Erstgespräch stattfindet. Der Kanal ersetzt den Verkauf nicht, er wärmt ihn vor.
Und es gibt den dritten Fall: Ihre Kundschaft ist schon dort und vergleicht. Ein Ostschweizer Handwerksbetrieb, dessen Mitbewerber wöchentlich Baustellenfotos posten, überlässt diesen Vergleich sonst kampflos den anderen.
Was sind die Nachteile von Social Media Marketing?
Der grösste Nachteil ist nicht das Geld, sondern der Takt. Ein Kanal, der sporadisch läuft, wirkt schlechter als gar keiner. So klingt das draussen, wenn ein Kanal einschläft, hier eine Nutzerstimme aus einem Forum:
«Man hört von der Firma viel zu wenig, finde ich. Website und Social-Media-Beiträge sind seit über einem Jahr Fehlanzeige.»
Der Fehler ist nicht, Social Media zu machen oder es zu lassen. Der Fehler ist, halbherzig zu starten und nach drei Wochen zu verstummen. Ein eingeschlafener Kanal erzählt jedem Besucher, dass hier niemand mehr zu Hause ist.
Dazu kommt die Kostenfrage, die sich fast jeder Geschäftsführer irgendwann vorlegt: Was kostet eine Social-Media-Agentur im Monat? Die ehrliche Gegenfrage lautet: Was bringt sie ein? Ein Kanal ohne messbare Anfragen ist ein Hobby mit Rechnung. Verlangen Sie Zahlen, bevor Sie unterschreiben, und danach jeden Monat.
Wann Sie sich Social Media sparen können
Sparen können Sie sich den Aufwand, wenn Ihr Geschäft vollständig über Empfehlungen läuft. Ein Betrieb mit vollen Auftragsbüchern, dessen Neukunden von bestehenden Kunden kommen, gewinnt im Feed nichts, was er nicht schon hat.
Das gilt besonders in der Ostschweiz: In St. Gallen, im Rheintal oder im Thurgau kennt man sich. Wer hier seit zwanzig Jahren sauber arbeitet, braucht keinen Kanal, um Bestandskunden zu halten. Er braucht ihn erst, wenn er wachsen will oder die Empfehlungen dünner werden.
| Geschäftsmodell | Social Media |
|---|---|
| Laufkundschaft, visuelles Produkt | Ja: der Feed ist das Schaufenster |
| Erklärungsbedürftige Dienstleistung | Ja: Vertrauen entsteht vor dem Erstgespräch |
| Reines Empfehlungs- und Bestandsgeschäft | Nein: Zeit besser in Kundenpflege und Website |
Woran Sie den Entscheid festmachen
Treffen Sie den Entscheid in dieser Reihenfolge, nicht andersherum:
- Klären Sie, woher Ihre letzten zehn Kunden kamen. Empfehlung, Suche oder Zufall: das ist Ihre ehrliche Datenlage.
- Prüfen Sie die Basis. Eine Website, die konkrete Fragen Ihrer Kundschaft beantwortet, wird gefunden: Google belohnt hilfreiche Inhalte, nicht Präsenz um der Präsenz willen.
- Erst dann entscheiden Sie über den Kanal, und zwar mit einem Takt, den Sie zwölf Monate halten können.
Wer diese Reihenfolge einhält, beantwortet die Frage «braucht mein KMU Social Media» nicht mit einem Bauchgefühl, sondern mit dem eigenen Zahlenmaterial. Mehr Antworten auf typische Sichtbarkeits-Fragen für KMU sammelt der Blog mit allen Beiträgen.